Funktionsweise: Put-Optionsscheine


Von fallenden Kursen profitieren
Wer einen Put-Optionsschein kauft, setzt auf fallende Kurse des zugrunde liegenden Basiswerts. Der Wert eines Puts steigt nämlich dann, wenn sich der Kurs des zugrunde liegenden Basiswertes verringert. Warum das so ist, zeigt folgendes Beispiel: Angenommen, Sie erwarten fallende Kurs der A-Aktie und erwerben daher einen Put-Optionsschein mit einem Basispreis von 55 Euro und einer Ratio von 1. Überlegen Sie: Wie viel muss dieser Put-Optionsschein bei einem aktuellen Kurs der A-Aktie von 50 Euro mindestens wert sein?


Der Innere Wert eines Put
Der Optionsschein berechtigt Sie zum Verkauf der Aktie zu 55 Euro, also zu einem um 5 Euro höheren Preis, als wenn Sie die Aktie gegenwärtig direkt an der Börse verkaufen würden. Sie könnten somit bei sofortiger Ausübung Ihres Rechtes einen Gewinn von 5 Euro erzielen. Dies entspricht dem Inneren Wert des Puts. Im Unterschied zu einem Call-Optionsschein existiert beim Put nur dann ein Innerer Wert, wenn sich der Basispreis über dem derzeitigen Kurs des Basiswerts befindet. Damit gilt: Je stärker der Kurs des Basiswertes sinkt, desto größer wird der Innere Wert des Put-Optionsscheins. Fällt die A-Aktie zum Beispiel von 50 Euro auf 45 Euro, dann würde sich der Innere Wert des Puts von 5 auf 10 Euro erhöhen. Wie beim Call wirkt der Hebel aber auch in die andere Richtung. Denn legt die A-Aktie entgegen der Erwartung des Put-Käufers zum Beispiel von 50 auf 55 Euro zu, dann würde der Put über keinen Inneren Wert mehr verfügen.


Der Innere Wert eines Put-Optionsscheins lässt sich nach folgender Formel berechnen:

Innerer Wert = [(Basispreis – Basiswertkurs) x Bezugsverhältnis] / Währungskurs


Je höher der Innere Wert eines Puts, umso höher sein Preis, umso geringer die Hebelwirkung – und umgekehrt. Ein negativer Innerer Wert ist auch beim Put nicht möglich, da ein Put lediglich ein Recht, aber keine Verpflichtung verbrieft, den Basiswert zu verkaufen. Ist der Kurs des Basiswertes höher als der festgelegte Basispreis, würde sich das Ausüben nicht lohnen.


Put-Optionsschein
Basispreis > BasiswertkursBasispreis ~ BasiswertkursBasispreis < Basiswertkurs
im Geldam Geldaus dem Geld
Inn. Wert = Basispreis - BasiswertkursInnerer Wert ~ 0Innerer Wert = 0
Die Gewinnschwelle bei einem Put
Wie bei einem Call setzt sich auch bei Put-Optionsscheinen der Preis des Scheins aus dem Inneren Wert und dem Zeitwert zusammen. Der Zeitwert nimmt ab dem Kaufzeitpunkt bis zum Laufzeitende kontinuierlich ab bis er am Laufzeitende 0 beträgt. Für den Käufer heißt das, dass der Kurs des Basiswerts bis zum Ende der Laufzeit mindestens auf ein bestimmtes Niveau fallen muss, damit der Put-Optionsschein Gewinn abwirft beziehungsweise der Inhaber keinen Verlust erleidet. Die Formel für diese Gewinnschwelle (Break-Even) bei einem Put lautet:

Gewinnschwelle Put-Optionsschein  = Basispreis - (Preis des Put-Optionsscheins / Bezugsverhältnis x Währungskurs)

Einflussfaktoren auf den Zeitwert eines Put
Auch bei einem Put verändert sich der Zeitwert ständig. Seine Höhe ist von den gleichen Einflussgrößen wie bei einem Call abhängig. Jedoch nicht immer mit der gleichen Wirkung. Hier eine kurze Übersicht, wie sich Veränderungen der einzelnen Komponenten und Parameter auf den Zeitwert eines Put-Optionsscheins auswirken.
KomponenteEinfluss auf den Zeitwert
LaufzeitGleiche Wirkung wie beim Call: Je länger die (Rest-)Laufzeit, desto größer die Chance, dass sich der Basiswert in die gewünschte Richtung entwickelt, umso höher der Zeitwert.
Implizite VolatilitätGleiche Wirkung wie beim Call: Je höher die implizite Volatilität, desto größer die Chance, dass sich der Basiswert in die gewünschte Richtung entwickelt, umso höher der Zeitwert. Mit Put-Optionsscheinen kann man in der Regel bei fallenden Kursen daher gleich doppelt profitieren. Zum einen steigt der Innere Wert und zum anderen führen fallende Kurse gewöhnlich zu einer höheren Volatilität, was den Zeitwert des Puts erhöht.
ZinsniveauDie Wirkung der Zinsen ist beim Put genau umgekehrt wie beim Call: Je höher das Zinsniveau, desto niedriger ist der Zeitwert des Puts. Dies liegt daran, dass der Käufer theoretisch den Basiswert, auf den er die Optionsscheine gekauft hat, auch besitzen müsste, damit er das Verkaufsrecht in Anspruch nehmen kann. Sein Kapital wäre also in dem Basiswert gebunden, und damit stünde es Ihnen nicht mehr für alternative Investments zur Verfügung. Je höher nun das Zinsniveau ist, desto lukrativer könnte er das Kapital anderweitig anlegen. Anleger sind also nicht mehr bereit, einen so hohen Preis für Put-Optionsscheine zu zahlen. Der Zeitwert und damit auch der Preis des Optionsscheins sinken also mit steigenden Zinsen – und umgekehrt.
BasispreisWie beim Call gilt auch hier: Der Zeitwert ist bei einem am Geld liegenden Put-Optionsschein am größten. Je weiter der Put aus dem Geld liegt, desto geringer ist der Zeitwert, da die Chance, dass der Optionsschein doch noch einen Inneren Wert aufbaut, immer geringer wird. Mit steigendem Inneren Wert nimmt der Zeitwert ebenfalls ab.

 

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