Auf steigende Kurse setzen: So funktionieren Turbo Bulls

 

 

Jeder Turbo Bull bezieht sich mit einem bestimmten Bezugsverhältnis (z.B. bei Aktien häufig 0,1 oder bei Indizes 0,01) auf einen Basiswert (z.B. eine Aktie), hat eine begrenzte Laufzeit und besitzt einen Basispreis unterhalb des aktuellen Basiswertkurses. Der Basispreis ist gleichzeitig die Knock-out-Barriere.

Innerer Wert als wichtigster Preisbestandteil

Größtenteils ergibt sich der aktuelle Preis eines Turbo Bulls aus einer einfachen Differenzberechnung: Vom aktuellen Basiswertkurs wird der Basispreis subtrahiert. Das Ergebnis wird anschließend mit dem Bezugsverhältnis multipliziert und ergibt den sogenannten inneren Wert.

Abschließend wird zum inneren Wert noch ein vergleichsweise geringer Zusatzbetrag hinzugerechnet. Dieses Aufgeld spielt bei Turbos jedoch eine eher untergeordnete Rolle und wird daher erst ab Seite XX genau behandelt. Zunächst ist es sinnvoll, den inneren Wert in den Mittelpunkt zu stellen und so bereits ein sehr gutes Verständnis für die Funktionsweise von Turbos zu entwickeln.

Aufgrund der einfachen Differenzberechnung zur Ermittlung des maßgeblichen inneren Wertes partizipiert der Besitzer des Turbo Bulls nahezu eins zu eins an den absoluten Kursbewegungen des Basiswertes. Ein Euro Basiswertgewinn ist also auch rund ein Euro Gewinn beim Turbo Bull (unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses).





Dazu ein Beispiel: Bei einem Kurs der A-Aktie von beispielsweise 46 Euro hätte ein Turbo Bull mit einem Basispreis von 45 Euro und einem Bezugsverhältnis von 1 einen inneren Wert von 1 Euro (= (Basiswertkurs 46 Euro – 45 Euro Basispreis) x 1).



Achtung: Risiko des nahezu wirtschaftlichen Totalverlusts

Ein Turbo existiert ausschließlich bei einem vorhandenen inneren Wert. Der Basiswert muss also über dem Basispreis notieren.

Der Basispreis übernimmt beim klassischen Turbo daher auch die Funktion der sogenannten Knock-out-Barriere. Das heißt: Sobald der Basiswertkurs irgendwann während der Laufzeit auf oder unter die Knock-out-Barriere (Basispreis) sinkt, verfällt der Turbo Bull augenblicklich und unwiderruflich nahezu wertlos. Der Anleger erleidet hierbei einen nahezu wirtschaftlichen Totalverlust. Spätere Kursgewinne des Basiswertes sind unerheblich.

Der Basispreis eines Turbos sollte daher mit höchster Sorgfalt gewählt werden. Im Zweifel ist ein niedrigerer Basispreis in größerem Abstand zum aktuellen Basiswertkurs vorzuziehen, auch wenn die Hebelwirkung (siehe folgende Ausführungen) dann niedriger ist. Um die Teilnahme an einem Knock-out-Ereignis zu vermindern, bietet sich zudem ein persönlich gesetztes Stop Loss Limit an, um Verluste durch einen Verkauf rechtzeitig zu begrenzen.


Beispiel: Knock-out-Ereignis bei einem Turbo Bull

Turbo Bull auf die A-Aktie, Basispreis: 45 Euro; Knock-out-Barriere: 45 Euro




Die Hebelwirkung

Der besondere Reiz von Turbos liegt in ihrer Hebelwirkung. Die prozentuale Wertentwicklung des Basiswertes wird um den Hebel verstärkt.

Durch die überwiegende Bedeutung des inneren Wertes bildet ein Turbo die absoluten Kursbewegungen des Basiswertes nahezu eins zu eins ab. Der Turbo ist jedoch viel preisgünstiger als der Basiswert selbst. Somit beziehen sich die absoluten Kursbewegungen auf ein weitaus geringeres Kursniveau und sind somit prozentual stärker als beim Basiswert. Die Basiswert-Performance wird folglich gehebelt.

Als Kennzahl gibt der Hebel an, um welchen Faktor die prozentuale Bewegung des Basiswertes vom Turbo verstärkt wird. Beträgt der Hebel eines Turbo Bulls beispielsweise 5 und steigt der zugrunde liegende Titel um 1 Prozent, so wird der Wert des Turbo Bulls um etwa 5 Prozent klettern. Der Hebel wirkt allerdings in beide Richtungen, sowohl bei Kurssteigerungen wie auch bei Kursverlusten.




Vorsicht bei sehr hohen Hebelwirkungen: Gemäß der aufgezeigten Formel ergeben sich sehr hohe Hebelwirkungen aus besonders niedrigen Preisen der betreffenden Turbos. Der niedrige Turbo-Preis ist aber lediglich Ausdruck eines sehr geringen Abstands zwischen dem aktuellen Basiswertkurs und dem als Knock-out-Barriere fungierenden Basispreis. Dementsprechend hoch ist die Totalverlustgefahr bei stark gehebelten Turbos. Diese Produkte sollten allenfalls von erfahrenen Anlegern mit einer äußerst konkreten Meinung zur Basiswertentwicklung als Depotbeimischung eingesetzt werden.

Zusammenhang zwischen Basispreis und Hebel

Die nachfolgende Gegenüberstellung verdeutlicht den untrennbaren Zusammenhang zwischen der Höhe des Basispreises und der Hebelwirkung des Turbos.

 



Zusammenhang zwischen Hebel und Knock-out-Risiko

Mit einem schrumpfenden Abstand zwischen dem aktuellen Basiswertkurs und dem Basispreis wächst die Hebelwirkung des Turbos. Gleichzeitig steigt aber auch die Gefahr eines Knock-out-Ereignisses und damit eines Totalverlusts. Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht diesen Zusammenhang und zeigt: Wer die Gefahr eines Knock-out-Ereignisses vermindern möchte, sollte Turbos mit einer niedrigeren Hebelwirkung den Vorrang geben.


Turbo Bulls auf die A-Aktie mit verschiedenen Basispreisen
Bezugsverhältnis:         1
Aktueller Kurs A-Aktie:     50 Euro




Turbo Bull: Szenarioanalyse

Die folgende Tabelle stellt verschiedene Kursbewegungen der A-Aktie ausgehend von einem Startniveau bei 50 Euro den korrespondierenden Daten eines Turbo Bulls gegenüber. Annahmegemäß wird der Turbo Bull beim Aktienkurs von 50 Euro für 5 Euro erworben. Auf dieses Ausgangsniveau beziehen sich die prozentualen Wertentwicklungen. Abermals wird hier zur Veranschaulichung nur der innere Wert des Turbo Bulls betrachtet.
    

A-Aktie Stand aktuell:      50 Euro
Turbo Bull auf die A-Aktie
Laufzeit:                             3 Monate
Bezugsverhältnis:             1
Basispreis:                        45 Euro
Knock-Out-Schwelle:        45 Euro
Preis des Turbo Bulls:      5 Euro
Hebel:                                10

 

   

 

Szenario 1: A-Aktie steigt

Legt die A-Aktie vom aktuellen Stand bei 50 Euro beispielsweise um 3 Euro auf 53 Euro zu, so entspricht das einem Plus von 6 Prozent. Der innere Wert des Turbo Bulls würde ebenfalls um 3 Euro hinzugewinnen (von 5 Euro auf 8 Euro), was jedoch einer Wertsteigerung von 60 Prozent entspricht. Folglich würde der Turbo Bull die zehnfache Performance des Basiswertes realisieren und damit dem bereits vorab berechenbaren Hebel von 10 gerecht werden (Aktienkurs 50 Euro x Bezugsverhältnis 1 / Turbo-Preis 5 Euro = 10).

 

Szenario 2: A-Aktie sinkt

Die Hebelwirkung wirkt allerdings genauso im Verlustszenario, wenn sich der Basiswert nicht in die gewünschte Richtung bewegt. Bei einem Kursrückgang der A-Aktie um beispielsweise 3 Euro von 50 Euro auf 47 Euro (minus 6 Prozent) würde der Turbo Bull ebenfalls 3 Euro an innerem Wert verlieren. Der Preisrückgang des Turbo Bulls von 5 Euro auf nur noch 2 Euro entspricht aber einem prozentualen Abschlag von 60 Prozent und damit wieder der zehnfachen prozentualen Wertentwicklung der zugrunde liegenden A-Aktie gemäß dem Hebel von 10. Sollte die A-Aktie während der Laufzeit sogar bis auf oder unter den als Knock-out-Barriere fungierenden Basispreis von 45 Euro abrutschen, würde der Turbo Bull sofort nahezu wertlos verfallen. Der Anleger würde dann einen nahezu wirtschaftlichen Totalverlust erleiden. Aufgrund dieses Risikos sollten sich Anleger oberhalb des Basispreises einen eigenen Stoppkurs setzen, bei dessen Erreichen die Position verkauft wird, um die Teilnahme an einem Knock-out zu verhindern.

 

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