Auf fallende Kurse setzen: So funktionieren Turbo Bears


Auch von sinkenden Notierungen eines Basiswertes können Anleger einfach und transparent profitieren. Turbo Bears bieten diese Möglichkeit, indem das Produkt die absoluten Kursverluste des zugrunde liegenden Titels eins zu eins in Gewinne verwandelt. Ein Rückgang des Basiswertkurses um beispielsweise 1 Euro lässt den Wert des zugehörigen Turbos Bear um ungefähr 1 Euro wachsen (unter Berücksichtigung des Bezugsverhältnisses).

Der Hebeleffekt wirkt hier genauso wie beim Turbo Bull. Aufgrund des vergleichsweise geringen Kapitaleinsatzes sind die prozentualen Bewegungen des Turbo-Preises weitaus höher als die – mit umgekehrtem Vorzeichen ablaufenden – prozentualen Schwankungen des Basiswertes.

Um das Konzept des Turbos Bear zu realisieren, ist der Basispreis über dem aktuellen Kurs des Basiswertes fixiert, wobei der Basispreis ebenfalls als Knock-out-Barriere fungiert. Daneben sind das Bezugsverhältnis zwischen dem einzelnen Turbo Bear und dem betreffenden Basiswert (z.B. bei Aktien häufig 0,1 oder bei Indizes 0,01) sowie die begrenzte Laufzeit definiert.

Der aktuelle Preis des Turbos Bear ergibt sich überwiegend aus dem inneren Wert, also aus der Differenz zwischen dem Basispreis und dem niedrigeren aktuellen Kurs des Basiswertes, insgesamt multipliziert mit dem Bezugsverhältnis.




Dazu ein Beispiel: Bei einem Kurs der A-Aktie von beispielsweise 43 Euro hätte ein Turbo Bear mit einem Basispreis von 45 Euro und einem Bezugsverhältnis von 1 einen inneren Wert von 2 Euro (= (Basispreis 45 Euro – 43 Euro Basiswertkurs) x 1).





Wie ein Turbo Bull kann auch ein Turbo Bear nur bei einem vorhandenen inneren Wert existieren. Wird der innere Wert durch steigende Basiswertkurse vollständig aufgezehrt, indem der Basiswert mindestens bis zum Basispreis steigt, verfällt der Turbo Bear sofort und unwiderruflich wertlos. Der Basispreis fungiert also gleichzeitig als Knock-out-Schwelle.





Berechnung des Hebels
Die Formel zur Berechnung des Hebels gilt für Turbos einheitlich, also auch in der Bear-Variante:




Hinweis zur Formel: Während Turbos hierzulande in Euro notieren, werden viele der verwendeten Basiswerte in einer Fremdwährung gehandelt. In diesen Fällen muss der Basiswertkurs zunächst in Euro umgerechnet werden, um anschließend den Hebel nach der obigen Formel zu berechnen.


Praxisbeispiel Turbo Bear

Zum Zwecke der Veranschaulichung soll auch der Turbo Bear nachfolgend ausschließlich anhand seines inneren Wertes betrachtet werden.

Die A-Aktie notiere aktuell bei 40 Euro, während der betrachtete Turbo Bear mit einem Basispreis von 45 Euro und einem Bezugsverhältnis von 1 ausgestattet sei. Der innere Wert dieses Turbos Bear beträgt dann in der Ausgangssituation 5 Euro (= (Basispreis 45 Euro – 40 Euro Basiswertkurs) x 1). Die nachfolgende Tabelle zeigt zu verschiedenen Kursniveaus der A-Aktie die zugehörigen inneren Werte des Turbos und die korrespondierende prozentuale Wertentwicklung.


A-Aktie Stand aktuell:             40 Euro
Turbo Bear auf die A-Aktie
Laufzeit:                                   3 Monate
Bezugsverhältnis:                    1
Basispreis:                               45 Euro
Knock-Out-Barriere:                45 Euro
Preis des Turbo Bears:           5 Euro
Hebel:                                      8




 

 

Szenario 1: A-Aktie sinkt

Wenn die A-Aktie zum Beispiel um 3 Euro von 40 auf 37 Euro fällt (minus 7,5 Prozent), dann steigt der innere Wert des Turbos Bear um ebendiese 3 Euro von 5 Euro auf 8 Euro. Das ist ein Anstieg um 60 Prozent. Oder anders ausgedrückt: Die prozentuale Bewegung der A-Aktie wurde vom Turbo Bear mit umgekehrtem Vorzeichen um das 8-fache verstärkt umgesetzt, wie der von vornherein berechenbare Hebel von 8 verrät (= 40 Euro  x 1 / 5 Euro).


Szenario 2: A-Aktie steigt

Angenommen die gewünschte Kursentwicklung tritt nicht ein. Stattdessen legt die A-Aktie um 2 Euro von 40 auf 42 Euro zu (plus 5 Prozent). Dann würde der innere Wert des Turbos Bear um ebendiese 2 Euro von 5 Euro auf 3 Euro sinken (minus 40 Prozent). Der Hebel von 8 wirkt also auch im Verlustszenario. Im schlechtesten Fall steigt die A-Aktie während der dreimonatigen Laufzeit des Turbos Bear auf oder über den Basispreis bei 45 Euro, sodass der Turbo Bear mit sofortiger Wirkung wertlos verfällt.

Das folgende Gewinn/Verlust-Diagramm veranschaulicht noch einmal die Chancen und Risiken des exemplarisch konstruierten Turbos Bear.






Aufgeld

Auch der aktuelle Preis eines Turbos Bear enthält neben dem maßgeblichen inneren Wert in der Regel ein Aufgeld. Die Einflussfaktoren auf die Höhe des Aufgeldes wirken jedoch teilweise spiegelverkehrt zum Turbo Bull.

So tätigt der Emittent zugunsten des Anlegers hier einen Leerverkauf des Basiswertes und erzielt dafür zunächst einmal einen Zinsertrag in Höhe des Geldmarktsatzes (z.B. Euribor). Allerdings fällt wie üblich die Finanzierungsmarge an, die gerade in Niedrigzinsphasen deutlich höher als der aktuelle Geldmarktsatz sein kann. Folglich resultieren meistens Finanzierungskosten, die aber günstiger als beim Turbo Bull ausfallen.

Auch die etwaigen Dividenden des Basiswertes während der Laufzeit wirken genau spiegelverkehrt wie beim Turbo Bull. Sie sind für den Emittenten mit seiner Leerverkaufsposition ein Kostenfaktor, der das Aufgeld somit erhöht.

Theoretisch könnte es bei hohen Geldmarktsätzen (Zinsertrag), die höher als die Finanzierungsmarge und die etwaigen, erwarteten Dividenden sind, zu einem Abgeld kommen. Bei niedrigen Geldmarktsätzen ist dies jedoch kaum erreichbar. Zudem enthält auch das Aufgeld eines Turbos Bear einen Risikozuschlag vor allem bei Turbos mit geringem inneren Wert. Auch hier muss das (Overnight-)Gap-Risiko durch einen Aufschlag abgegolten werden.

 

 

 

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