Der Produktpreis im Detail am Beispiel von Turbo Bulls


Bisher stand ausschließlich der innere Wert als wichtigster Preisbestandteil von Turbos im Mittelpunkt. Die grundlegende Funktionsweise und die zentralen Eigenschaften lassen sich anhand des inneren Wertes leicht erfassen.

In der Praxis muss der innere Wert jedoch um einen Zusatzbetrag ergänzt werden, um den tatsächlichen Preis des Turbos zu erhalten. Dieser Zusatzbetrag wird als Aufgeld bezeichnet.

Beispielsweise besitzt ein Turbo Bull mit einem Basispreis von 45 Euro und Bezugsverhältnis von 1 auf die aktuell bei 50 Euro notierende A-Aktie einen inneren Wert von 5 Euro (= (50 Euro – 45 Euro) x 1).

Dieser Turbo Bull möge eine Restlaufzeit von 3 Monaten aufweisen und sein handelbarer Preis betrage aktuell 5,20 Euro. Dann enthält dieser Turbo-Preis ein Aufgeld von 0,20 Euro (= 5,20 Euro – 5,00 Euro).

Das Aufgeld ergibt sich in erster Linie aus den Finanzierungskosten, die beim Emittenten während der Laufzeit des Turbos anfallen. Denn der Käufer des Turbos Bull bezahlt ja nur einen Teil des aktuellen Basiswertkurses, partizipiert aber nahezu in vollem Umfang an den absoluten Kursbewegungen des zugrunde liegenden Titels. In Höhe des Basispreises muss der Emittent den Basiswertkauf finanzieren. Zudem kann das Aufgeld eine Risikoprämie beinhalten.









Neben dem maßgeblichen inneren Wert enthält der handelbare Preis des Turbos ein Aufgeld.

In der Regel handelt es sich beim Aufgeld um einen vergleichsweise kleinen Betrag, der zudem keinen immensen Schwankungen unterliegt (im Gegensatz zum Aufgeld von klassischen Optionsscheinen). Für ein tiefgehendes Verständnis ist es dennoch sinnvoll, die nachfolgend erläuterten Einflussfaktoren auf die Höhe des Aufgelds zu kennen.



 

Wichtige Einflussfaktoren auf das Aufgeld

Zinsen
Der Emittent finanziert bei einem Turbo Bull bis zum Ende der Laufzeit den Kauf des Basiswertes im Umfang des Basispreises. Dafür fallen Zinskosten an, die im Aufgeld zu berücksichtigen sind. Höhere Zinsen führen also zu einem höheren Aufgeld und umgekehrt. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass der Emittent auf den tatsächlich anfallenden Zins einen Zuschlag berechnet, der auch als Finanzierungsmarge bezeichnet wird.

Dividenden
Schüttet der Basiswert – etwa eine Aktie – während der Laufzeit des Turbos Bull Dividenden aus, so mindert die erwartete Dividendenzahlung das Aufgeld. Denn während der Emittent einerseits zugunsten des Turbo-Käufers den Basiswertkauf in Höhe des Basispreises mit entsprechenden Zinskosten finanzieren muss, fließt ihm durch eine etwaige Dividende ein Ertrag zu. Dieser zu erwartende Ertrag kann die Zinskosten sogar mehr als ausgleichen und damit zu einem Abgeld, einem Preis unter Innerem Wert, führen.

Volatilität und Gap-Risiko
Im Gegensatz zu klassischen Optionsscheinen spielt die Volatilität, also die Schwankungsintensität des Basiswertes, nur eine geringe Rolle bei der Aufgeldberechnung. Grundsätzlich gilt, dass eine hohe Volatilität auch für eine hohe Knock-out-Gefahr spricht und das Aufgeld somit tendenziell mindert.

Bei einem geringen Abstand des aktuellen Basiswertkurses zur Barriere ist jedoch ein anderer Aspekt viel entscheidender, der das Aufgeld erhöht und ebenfalls mit der Volatilität zu tun hat: das Gap-Risiko.

Das Gap-Risiko wird als Risikoprämie im Aufgeld berücksichtigt. Es führt dazu, dass Turbos mit einem geringen inneren Wert (hohes Knock-out-Risiko) selbst bei einer kurzen Restlaufzeit noch ein vergleichsweise hohes Aufgeld haben können.

Zum Tragen kommt das Gap-Risiko ausschließlich beim Emittenten. Denn während der Turbo-Käufer schlimmstenfalls einen Totalverlust erleiden kann, da der innere Wert des Turbos vollständig aufgezehrt wird, können beim Emittenten zusätzliche Verluste entstehen. Zur Absicherung der Turbos erwirbt der Emittent nämlich den Basiswert und muss diesen abstoßen, wenn der Turbo wertlos verfällt. Bei plötzlichen Kurseinbrüchen (Gaps) des Basiswertes, die oftmals auch über Nacht vom vorherigen Börsenschluss bis zur nächsten Eröffnung entstehen (Overnight-Gaps), gelingt die Auflösung der Absicherungsposition jedoch mitunter erst deutlich schlechter als zum Basispreis. Die entsprechenden Verluste des Emittenten sind nicht durch den ehemals vom Anleger bezahlten inneren Wert abgedeckt. Dieses Gap-Risiko muss als statistische Risikoprämie im Aufgeld berücksichtigt werden.

Merke: Bis zum Laufzeitende des Turbo sinkt das Aufgeld grundsätzlich auf 0. Der enthaltene Betrag für die Zinskosten baut sich dabei kontinuierlich ab. Die Volatilität spielt an sich eine untergeordnete Rolle. Das Gap-Risiko speziell bei Turbos mit geringem inneren Wert und somit hoher Knock-out-Gefahr kann jedoch zu einem deutlichen Aufgeld auch bei kurzer Restlaufzeit führen. Wer einen solchen Turbo erwirbt, geht ein hohes Totalverlustrisiko ein. Sollte es zum Knock-out kommen, ist selbstredend auch das bezahlte Aufgeld mit der enthaltenen Risikoprämie verloren. Anleger sollten daher die Teilnahme an einem Knock-out durch ein zuvor greifendes, selbst gesetztes Stop Loss Limit möglichst vermeiden.

 

 

 

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