Bullinger & Bärmann: „Optionen sind keine Erfindung der Neuzeit“


Bullinger: Neulich habe ich in einem Anlegermagazin gelesen, dass Optionsscheine als die Klassiker unter den Hebelprodukten bezeichnet werden. Von wegen Klassiker, dachte ich mir, Optionsscheine gibt es doch noch gar nicht so lange, oder?

Bärmann: Da irren Sie sich aber, denn Optionen gab es erwiesenermaßen schon im Mittelalter. Händler schlossen solche Termingeschäfte zur Absicherung ihrer Warengeschäfte ab. Möglicherweise reicht die Geschichte von Optionen aber noch viel weiter zurück. Schon der antike griechische Philosoph Aristoteles hat in seinem Buch „Politik“ von den Gewinnen geschwärmt, die sein Philosophenkollege Thales von Milet mit Optionen auf Oliven gemacht hat. Den Begriff „Klassiker“ kann man also durchaus wörtlich nehmen. Heutzutage werden Optionen allerdings in der Regel in standardisierter Form über spezielle Terminbörsen gehandelt.

Bullinger: Was ist denn der Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen?

Bärmann: Optionsscheine – so wie wir sie heute kennen – sind von Banken verbriefte Optionen, um auch Privatanlegern Optionsgeschäfte zu ermöglichen. Mit ihnen ist der Handel auch in kleinen Losgrößen möglich und es bedarf keines Zugangs zu einer Terminbörse.

Bullinger: Dann sind zumindest Optionsscheine eine Erfindung der Neuzeit?

Bärmann: Und wieder liegen sie falsch. Denn der erste Optionsschein der Finanzgeschichte stammt aus dem Jahr 1740 und wurde von der „Kaiserlich Indische Compagnie“ mit Sitz in Antwerpen ausgegeben. Ich gebe aber zu, dass Optionsscheine, so wie sie heute Standard sind, in Deutschland erstmals Ende der 1980er Jahre emittiert, also ausgegeben wurden. Zwar existierte auch schon in den Jahren zuvor ein Optionsscheinhandel. Doch diese traditionellen Optionsscheine wurden nicht zu Anlagezwecken ausgegeben, sondern waren ein Nebenprodukt bei der Unternehmensfinanzierung über so genannte Optionsanleihen. Der Käufer einer solchen Optionsanleihe hatte, vereinfacht ausgedrückt, das Recht, neue Aktien des Unternehmens zu beziehen. Dieses Recht konnte an der Börse separat gehandelt werden. Heute spielen solche traditionellen Optionsscheine allerdings so gut wie keine Rolle mehr.

 

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